Chemical Chaos
Mordançage – Wenn Fotografie zerfällt
Im 4. Lehrjahr durfte ich im Rahmen eines Moduls ein Projekt umsetzen, das mich komplett aus meiner Komfortzone geholt hat: Mordançage. Eine analoge Fototechnik, die Bilder nicht einfach entwickelt, sondern gezielt zerstört – und genau daraus etwas Neues entstehen lässt.
Das Ergebnis war ein eigenes Zine mit dem Titel „Chemical Chaos“. Und der Name ist Programm.
Was ist Mordançage überhaupt?
Mordançage ist ein chemisches Verfahren, das auf bereits entwickelten Schwarz-Weiss-Fotografien angewendet wird. Durch eine spezielle Lösung werden Teile der Emulsion angelöst. Es entstehen sogenannte „Veils“ – feine, schleierartige Strukturen, die sich vom Papier lösen, teilweise zurückgelegt oder ganz entfernt werden können.
Kurz gesagt:
Du gibst die Kontrolle ab. Und genau dort beginnt der Reiz.
Mein Ansatz im Projekt
Statt einfach „schöne“ Bilder zu produzieren, wollte ich herausfinden:
Wie weit kann ich ein Bild zerstören, ohne dass es seine Aussage verliert?
Was passiert, wenn Chemie zur gestalterischen Mitspielerin wird?
Wann wird Chaos zu Komposition?
Der Prozess war alles andere als planbar. Temperatur, Einwirkzeit, Papier – alles beeinflusst das Resultat. Man arbeitet nicht nur mit Licht, sondern mit Reaktion. Jede Fotografie wurde zum Unikat
Vom Labor ins Zine
Die entstandenen Arbeiten habe ich in einem eigenständigen Zine zusammengefasst.
Der Titel „Chemical Chaos“ bringt es auf den Punkt: Es geht um Auflösung, Transformation und darum, Schönheit im Unperfekten zu finden.Das Projekt war für mich mehr als eine technische Übung. Es war ein Experiment mit Kontrolle, Loslassen und Vertrauen in den Prozess – etwas, das ich später auch in digitalen Projekten immer wieder gespürt habe.
Was ich daraus gelernt habe
Kreativität entsteht oft dort, wo man nicht alles kontrolliert.
Fehler sind nicht das Ende – sie sind Rohmaterial.
Analoge Prozesse schärfen den Blick für Details und Geduld.
Gestaltung ist nicht nur Planung, sondern auch Reaktion.
Wenn ich heute an diesem Projekt zurückdenke, sehe ich nicht nur Bilder.
Ich sehe eine Phase, in der ich gelernt habe, mutiger zu experimentieren – und Ergebnisse zu akzeptieren, die ich nicht zu 100 % steuern kann.
Und ganz ehrlich: Genau das macht Gestaltung spannend.